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Von der Urgeschichte zu den Elementen des Antisemitismus

Februar 16 @ 10:30 - 17:30

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Während Freud seine religionshistorische Studie Der Mann Moses und die monotheistische Religion veröffentlicht und in ihr eine psychologische Urgeschichte des Antisemitismus konstruiert, ist Horkheimer mit der Fertigstellung seines Aufsatzes Die Juden und Europa beschäftigt. Letzter ist noch ganz den staats- und kapitalismustheoretischen Auseinandersetzungen des Instituts für Sozialforschung der 1930er Jahren verhaftet, und folgt der Logik, den Antisemitismus aus der Gesellschaft heraus zu erklären: „Wer den Antisemitismus erklären will,“ heißt es, „muß den Nationalsozialismus meinen. […] Es bedarf des Rückgangs auf die Tendenzen des Kapitals.“

Erst in den frühen 1940er Jahren verschiebt sich diese Logik im Kontext einiger vom Institut geplanter Forschungsprojekte über den Antisemitismus. Nun gilt es nicht mehr, den Antisemitismus aus der Gesellschaft heraus zu kritisieren, sondern umgekehrt: aus der Kritik des Antisemitismus die Gesellschaft auf den Begriff zu bringen. In einem Memorandum notiert Adorno: „Wenn der Satz gilt, daß, wer den Antisemitismus verstehen will, den Nationalsozialismus verstehen muß, dann gilt gleichermaßen der Satz, daß wer den Nationalsozialismus verstehen will, den Antisemitismus verstehen muß.“ Dem entspricht Horkheimers Überlegung, die er in einem Briefentwurf formuliert: „It appears to me as if the old instruments would no longer suffice – not even that treaty ‚Zur Judenfrage‘. As true as it is that one can understand Antisemitism only from our society, as true it appears to me that by now society itself can be properly understood only through Antisemitism. It demonstrates on the example of the minority which is, as a matter of fact, in store for the majority as well: that change into administrative objects. The reasons for Antisemitism itself are probably much deeper lying, also historically, than they are supposed to be. They cannot be explained solely by money economy.“

Die Gesellschaft lasse sich nur noch durch den Antisemitismus verstehen und alle Versuche gingen fehl, die den Antisemitismus alleine aus dem Kapitalismus erklären. Auch der Rekurs auf die bürgerliche Aufklärung oder das Christentum gelten Adorno und Horkheimer als rationalistisch, weil den historisch tiefer liegenden Ursachen, den archaischen Zügen des Antisemitismus nicht nachgegangen werde. Eine „einheitliche und zugleich nicht rationalistische Erklärung des Antisemitismus“, also eine „zureichende und über den Pluralismus einzelner ‚Gründe für den Judenhaß‘ hinausgehende Theorie des Antisemitismus“, betont Adorno in einem Brief an Horkheimer, „dürfte vom Gelingen einer Urgeschichte des Antisemitismus abhängen. Diese Urgeschichte kann nicht, wie Freud es versucht hat, als psychologische gegeben werden, sondern muß versuchen, den Ursprung in archaischen, aber gesellschaftlich realen Bewegungen aufzusuchen.“ Antisemitismuskritik ist dabei nicht nur Kapitalismuskritik, sondern Kritik der ganzen bisherigen Geschichte.

Das Tagesseminar wird anhand von Briefwechseln und kaum rezipierten Schriften, Memoranden und Vorträgen zum Antisemitismus die Entwicklung der Überlegungen Horkheimers und Adornos rekonstruieren, die schließlich in der Dialektik der Aufklärung und den Elementen des Antisemitismus fragmentarisch zusammengefügt worden sind. Insgesamt verfolgt das Seminar das Ziel, nicht nur die Resultate der Antisemitismuskritik Adornos und Horkheimers in den Blick zu nehmen, sondern auch ihre Entstehung anhand bisher wenig bekannter Texte zu rekonstruieren.

Das Seminar wird von Jessica Lütgens und Nico Bobka geleitet.

Für Workshops / Tagesseminare gilt folgender Teilnahmebeitrag: 5 € für Menschen in Ausbildung, 7,50 € für Verdienende. Materialien (Kopien, Reader), Fahrtkosten innerhalb von Rheinland-Pfalz (2. Kl. Regio. Außerhalb von Rheinland-Pfalz und mit dem ICE nur nach  vorheriger Absprache) und Tagungsverpflegung (ohne Mittagsessen) sind im Preis enthalten. Um Anmeldung wird gebeten.

Anmeldung:

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Details

Datum:
Februar 16
Zeit:
10:30 - 17:30
Veranstaltungkategorie:

Veranstalter

JungdemokratInnen / Junge Linke Rheinland_Pfalz
E-Mail:
info[at]jd-jl-rlp.de

Veranstaltungsort

Z Quadrat GmbH
Rheinstraße 43-45
Mainz, Rheinland-Pfalz 55116 Deutschland
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Webseite:
https://www.z-quadrat-mainz.de/