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Stojakovic, Krunoslav: »… ›für eminent kommunistische Grundsätze!‹ Linksradikale Opposition im sozialistischen Jugoslawien, 1960-1970«

24. November 2016 @ 19:00 - 21:00

Das jugoslawische Sozialismusmodell, dessen ideologische Anker die aus dem antifaschistischen Volksbefreiungskrieg übernommene Losung »Brüderlichkeit und Einheit« sowie das Selbstverwaltungssystem und die Blockfreiheit waren, stellte in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme in der bipolaren Systemkonstellation der Nachkriegszeit dar. Es war kein Satellit der stalinistischen Sowjetunion; es unterhielt gute, nicht zuletzt wirtschaftliche Beziehungen zum ›kapitalistischen Westen‹, ließ sich von diesem jedoch ideologisch nicht vereinnahmen. Die etappenweise einsetzende Liberalisierung von Staat und Gesellschaft in den Fünfzigerjahren führte in der Folge auch zu einer Öffnung des ›kulturellen Milieus‹, allen voran im akademischen Leben und in der Kunst. Schon seit Mitte der Fünfziger haben kritische Marxistinnen und Marxisten, allen voran an den Universitäten in Zagreb und Belgrad, mit der Herausarbeitung und Formulierung einer linken sozialistischen Kritik der jugoslawischen Gesellschaftsverhältnisse begonnen. Wurden die ersten Zeitschriftenprojekte wie etwa Pogledi [Ansichten] oder Naše teme [Unsere Themen] von der Partei noch recht zügig ›verunmöglicht‹, indem ihnen die finanziellen Mittel gekürzt wurden, so etablierte sich seit 1963 eine neue, von der Philosophischen Fakultät Zagreb herausgegebene Zeitschrift mit dem Namen Praxis als intellektuelles Sprachrohr einer ganzen Generation junger, linksradikaler Kritiker des Status quo. Philosophinnen und Philosophen aus dem Umkreis der Praxis wie etwa Gajo Petrović, Milan Kangrga, Vanja Sutlić, Danko Grlić oder Zagorka Golubović waren wichtige Stichwortgeber für eine ganze Generation jugoslawischer Künstlerinnen und Künstler, Studentinnen und Studenten, die 1968 maßgeblich an der jugoslawischen Studentenbewegung beteiligt waren.

Der Vortrag zeichnet die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der jugoslawischen Praxis-Philosophie nach und möchte so einen Beitrag zur Ideen- und Sozialgeschichte des jugoslawischen Sozialismusmodells leisten.

Krunoslav Stojakovic, geb. 1978, M.A., Studium der Geschichtswissenschaft, Politologie und Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2006 Stipendiat an der Bielefeld International Graduate School in History and Sociology. Dissertationsvorhaben: »Protestpraktiken. Die politisch-kulturelle Avantgarde in Jugoslawien, 1960 – 1970«.

Veröffentlichungen u.a.: mit Boris Kanzleiter (Hrsg.): »1968« in Jugoslawien. Studentenproteste und kulturelle Avantgarde zwischen 1960 und 1975. Gespräche und Dokumente. (Bonn: Dietz, 2008); Kroatien. Neoliberaler Antikommunismus, in: Blätter für deutsche und internationale Politik,  9/2016, 29–32.

Details

Datum:
24. November 2016
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

JungdemokratInnen / Junge Linke Rheinland_Pfalz
E-Mail:
info[at]jd-jl-rlp.de

Veranstaltungsort

Landesgeschäftsstelle
Walpodenstraße 10
Mainz, 55116
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