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Kroatische Vergangenheitspolitik zwischen Revisionismus und europäischen Standards

28. Januar 2014 @ 20:00 - 21:30

Eintritt frei
Vortrag mit Ljiljana Radonic
Der „Unabhängige Staat Kroatien“ betrieb im Zweiten Weltkrieg ohne direkte Beteiligung des Dritten Reiches Todeslager, das größte von ihnen Jasenovac, in dem etwa 100.000 SerbInnen, Jüdinnen, Juden, Roma und politische Gefangene ermordet wurden. 1990 wurde bei den ersten freien Wahlen mit Franjo Tuđman ein Mann Präsident, der zuvor als Historiker beteiligt war an der Verabschiedung des jugoslawischen Gründungsmythos der „Brüderlichkeit und Einheit“ im supra-nationalen PartisanInnenkampf und der 1989 mit den „Irrwegen der Geschichtswirklichkeit“ ein antisemitisches Machwerk nicht zuletzt über das KZ Jasenovac vorlegte. Im Jugoslawienkrieg wurden dann Feindbilder von Ustaša und Četnik aus dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert, während Tuđman zugleich eine allkroatische Versöhnung von Ustaša und PartisanInnen anstrebte und Jasenovac zu einer „nationalen Versöhnungsstätte“ umwidmen wollte. Die Racheaktionen der PartisanInnen an den flüchtenden Ustaša, Domobranen=Heimwehren und Zivilisten wurden als „Bleiburger Tragödie“ oder „kroatischer Holocaust“ bezeichnet und mit Jasenovac gleichgesetzt.
Erst nach Tuđmans Tod befreite sich das Land aus der internationalen Isolation der späten 1990er und nach einem sozialdemokratischen Intermezzo wollte Tuđmans Nachfolger seine Europa-Tauglichkeit unter Beweis stellen: Statt vom „kroatischen Holocaust“ sprach er nunmehr von Totalitarismus und imaginierte die Kroaten als die Juden von heute, die Serben dementsprechend als die neuen Faschisten im „Heimatländischen Krieg“. Entsprechend dem internationalen Trend der „Universalisierung des Holocaust“ wurde in Jasenovac eine neue Ausstellung eröffnet, die das individuelle Opfer in den Vordergrund stellt, dabei aber kaum über die Täter informiert. KritikerInnen sahen darin eine Instrumentalisierung der Gedenkstätte als „Zugpferd nach Europa“ und orientierten sich stattdessen lieber am „Musterbeispiel Deutschland“, eine bei Linksliberalen in postsozialistischen Ländern weit verbreitete Haltung.

Ljiljana Radonic ist Lehrbeauftragte am Wiener Institut für Politikwissenschaft. Ihre Promotion erschien unter dem Titel „Krieg um die Erinnerung. Kroatische Vergangenheitspolitik zwischen Revisionismus und europäischen Standards“ im Campus Verlag.

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Details

Datum:
28. Januar 2014
Zeit:
20:00 - 21:30
Eintritt:
Eintritt frei
Veranstaltungskategorien:
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Veranstaltungsort

DGB-Haus Mainz
Kaiserstraße 26-30
Mainz, 55116
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Veranstalter

JungdemokratInnen / Junge Linke Rheinland_Pfalz
E-Mail:
info[at]jd-jl-rlp.de