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Fechner, Robert: Linkssozialistische Opposition in (Süd-)Osteuropa und die Rezeption der Marxschen Entfremdungskritik

19. Dezember 2016 @ 19:00 - 21:00

Die Veröffentlichung der ökonomisch-philosophischen Manuskripte von Marx im Jahre 1932 sollte, so eine Hoffnung Herbert Marcuses, »zu einem entscheidenden Ereignis in der Geschichte der Marx-Forschung werden«. Die Rezeption blieb aber aufgrund der fortschreitenden Faschisierung der europäischen Gesellschaften nur randständig. Erst mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus, der Restauration und der sukzessiven Verhärtung der Blockkonfrontation setzte eine Auseinandersetzung mit dem Marxschen Frühwerk ein, welche dann aber umso intensiver geführt wurde. Von den 1950ern bis in die 1970er Jahre versuchte sich die akademische Zunft in einer Aktualisierung der Marxschen Entfremdungskritik, die in den Pariser Manuskripten ihren Ausgangspunkt nahm. Diese internationale Auseiandersetzung um den zeitdiagnostischen Gehalt der Marxschen Frühschriften und des in ihnen ausgearbeiteten Entfremdungsbegriffs füllte nicht nur unzählige Regalmeter, sondern barg insbesondere für linkssozialistische Intellektuelle einen Anknüpfungspunkt für ihre Kritik. Soweit im offiziellen Marxismus-Leninismus der historische Materialismus zur Legitimationsideologie abgewirtschaftet wurde, schienen die ökonomisch-philosophischen Manuskripte einen humanistischen Gehalt zutage zu fördern, der einem sogleich das Instrumentarium bereitstellte, um die autoritär-technokratische Herrschaft unter dem Banner des Kommunismus zu kritisieren.

Der Vortrag zeichnet diese Entwicklung nach, ohne die nationalen Besonderheiten einzuebnen. Er versucht zu zeigen, inwieweit sich gerade der junge Marx zur Kritik der herrschenden sozialistischen Regime anbot, welche Synergien sich im Ost-West-Austausch ergaben, nicht zuletzt im sogenannten christlich-marxistischen Dialog, und was die problematischen Züge einer derart gelagerten Interpretation der Marxschen Kritik waren und sind. Indem eine transnationale Perspektive eingenommen wird, gehen zwar einerseits nationale Spezifika verloren, andererseits werden diese in den zuvor stattfindenden Referaten herausgearbeitet: in dieser Hinsicht bildet der Vortrag eine Klammer für die zuvor stattgefundenen Vorträge und versucht sich in einer Gesamtdarstellung der linkssozialistischen Dissidenz unter autoritär-sozialistischer Herrschaft in Ost- und Südosteuropa in den fünfziger und sechziger Jahren.

Fechner, Robert, M.A, Studium der Sozialökonomie und Soziologie in Hamburg und Frankfurt a.M. Arbeitsschwerpunkte: Kritische Theorie, historische Soziologie, politische Ökonomie und die Geschichte politischer Ideologien.

Veröffentlichungen u.a.: Mit Weber zu Marx – und hinter beide zurück. Lukács’ Verdinglichungskritik und die Suche nach dem nicht-verdinglichten Rest, in: Verdinglichung, Marxismus, Geschichte. Von der Niederlage der Novemberrevolution zur kritischen Theorie. (Freiburg i.Br.: Ça-Ira-Verlag 2012, 225–242); mit Katharina Eggers: ›The German Alternative‹. Nationalism and Racism in ›Afri-Cola‹, in: Colonial Advertising & Commodity Racism, (Racism Analysis | Yearbook 4. Berlin [et al.]: Lit 2013, 197–217). Zur Aktualität der Entfremdungs-und Verdinglichungskritik, in: ZYKLOS 3 | Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie. (Wiesbaden: Springer VS 2016,  357–370 im Erscheinen).

Details

Datum:
19. Dezember 2016
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

JungdemokratInnen / Junge Linke Rheinland_Pfalz
E-Mail:
info[at]jd-jl-rlp.de

Veranstaltungsort

Landesgeschäftsstelle
Walpodenstraße 10
Mainz, 55116
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