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Erkenne den Feind – Antisemitismus in Polen nach 1945

11. August 2016 @ 19:00 - 21:00

Für Polen war der Zweite Weltkrieg die größte Katastrophe seiner Geschichte. 1945 war das Land in weiten Teilen zerstört und ein großer Teil der Bevölkerung, darunter die politische, kulturelle und wissenschaftliche Elite des Landes, wurde systematisch ermordet. Die internationale Forschung beziffert die Zahl der Opfer auf fünf Millionen, davon zwei Millionen Nichtjuden. Die deutschen Besatzer ermordeten fast 90 % der jüdischen Vorkriegsbevölkerung und die jüdische Kultur und Zivilisation in Polen wurde fast restlos vernichtet.

Die ca. 200.000 bis 250.000 überlebenden Juden waren sofort nach dem Ende der deutschen Besatzung erneut mit tödlicher Gewalt konfrontiert. Der eliminatorische Antisemitismus von Teilen der polnischen Bevölkerung war auch durch dieErfolge des deutschen Vernichtungsprogramms nicht zufriedengestellt.

Eine Welle mörderischer Pogrome und die Verweigerung von Entschädigung und Rückerstattung durch die polnischen kommunistischen Behörden machten in den Jahren 1945/46 sehr schnell klar, dass es für Juden im Nachkriegspolen keine Möglichkeit gab, in Sicherheit zu leben. Die letzten in Polen lebenden 30.000 Juden wurden im Gefolge des israelischen Sieges im Sechstagekrieg über die arabischen Armeen 1967 durch eine hasserfüllte Kampagne gegen die »Zionisten« aus dem Land vertrieben.

Seitdem kommt der Antisemitismus in Polen sehr gut ohne reale Juden aus. Ihre Funktion in der polnischen politischen Kultur als allgegenwärtige Bedrohung der katholischen Nation ist strukturell im polnischen Nationalismus enthalten und lässt sich mühelos auch auf andere Gruppen übertragen. Das zeigen die nationalen Aufwallungen eines großen Teils der polnischen Gesellschaft angesichts der möglichen Aufnahme von 7000 syrischen Flüchtlingen im Sommer 2015.

Zum Referenten: Erich Später arbeitet in Saarbrücken für die Heinrich Böll Stiftung und schreibt u.a. für die Zeitschrift Konkret. Letzte Buchveröffentlichung: »Der dritte Weltkrieg. Die Ostfront 1941-45«, Conte Verlag 2015.

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Datum:
11. August 2016
Zeit:
19:00 - 21:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

JungdemokratInnen / Junge Linke Rheinland_Pfalz
E-Mail:
info[at]jd-jl-rlp.de

Veranstaltungsort

Landesgeschäftsstelle JD/JL
Walpodenstraße 10
Mainz, Rheinland-PFalz 55116 Deutschland
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