Selbstdarstellung (alt) - IV. Einige Arbeitsfelder radikaldemokratischer Politik
IV. Einige Arbeitsfelder radikaldemokratischer Politik
Â
SchĂŒlerInnen und StudentInnenÂ
Die Interessenvertretungen von Jugendlichen in ihren sozialen Bereichen hat fĂŒr JungdemokratInnen/Junge Linke einen hohen Stellenwert. Auch wenn die Vertretungsorgane von SchĂŒlerInnen und StudentInnen in ihren Rechten eingeschrĂ€nkt sind, so sind sie doch nicht nur in der Lage, politisierend zu wirken, sondern mit ihrer Hilfe können auch konkrete Verbesserungen durchgesetzt werden.
Die Arbeit in den Strukturen der Verfassten StudentInnenschaften hat fĂŒr JungdemokratInnen/Junge Linke groĂe Bedeutung. Da es keinen eigenen StudentInnenverband der JungdemokratInnen/Junge Linke gibt, kandidieren JungdemokratInnen zu den studentischen Wahlen z.T. als âRadikaldemokratische Studentengruppen (RSG)", z.T. als âJungdemokratInnen / Junge Linke an der Hochschule", oder unsere Mitglieder machen in âselbstgestrickten" Listen mit. Als bundesweiten hochschulpolitischen Ansprechpartner verstehen JungdemokratInnen/Junge Linke das BĂŒndnis linker und radikaldemokratischer Hochschulgruppen (LiRa), hier sind viele JungdemokratInnen aktiv.
Â
JD / JL fordern:
-
die radikale Demokratisierung von Schule und UniversitÀt,
-
das politische Mandat fĂŒr SchĂŒlerInnenvertretungen, ASten, USten und StuRĂ€s,
-
die Anerkennung der BundesschĂŒlerInnenvertretung,
-
die Abschaffung der Noten,
-
projektgebundenes Lernen und die selbstbestimmte Wahl der Unterrichtsthemen in der Schule,
-
ein wissenschaftliches Studium ohne Reglementierung
-
die freie LehrerInnenwahl,
-
eine weiterentwickelte integrierte Gesamtschule als Regelschule,
-
die Aufhebung des Abiturs als ZugangsbeschrÀnkung zum Hochschulstudium,
-
eine elternunabhĂ€ngige, bedarfsdeckende Ausbildungsfinanzierung fĂŒr SchĂŒlerInnen und StudentInnen.
Â
Â
Demokratie und Grundrechte
Â
Der Einsatz fĂŒr Demokratie und Grundrechte gehört traditionell zu den wichtigsten Arbeitsfeldern der JungdemokratInnen/Junge Linke. Zur Zeit stehen wir einem beispiellosen Ausbau der staatlichen Sicherheitsapparate gegenĂŒber, erhalten Polizeistellen Geheimdienstkompetenzen und Geheimdienste Polizeibefugnisse. Die strikte Trennung zwischen den Sicherheitsapparaten, einst eine Lehre aus der Zeit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), ist ebenso aufgehoben, wie die Auflösung einer Bundespolizei zu Gunsten von LĂ€nderpolizeien durch den stetigen Kompetenzgewinn von Bundeskriminalamt und Bundesgrenzschutz unterhöhlt wird.
Zuletzt wurde Art. 13 Grundgesetz (das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung) bis zur Unkenntlichkeit verstĂŒmmelt, und die Polizei hat mit dem "GroĂen Lauschangriff" de facto die Lizenz zum Abhören eines Jeden in der Tasche.
Die Panikmache vor der Organisierten KriminalitĂ€t hat eine wichtige Funktion im von interessierter Seite gezielt betriebenen Diskurs gespielt, ĂŒberall die Bedrohung von âSicherheit" zu verorten. Die Horror-Szenarien vom allgegenwĂ€rtigen Kraken des (organisierten) Verbrechens diente als Rechtfertigung fĂŒr diese VerschĂ€rfungen.
Â
JD / JL fordern:
-
die GrundrechtseinschrĂ€nkungen der letzten Jahre rĂŒckgĂ€ngig zu machen (vom Demonstrationsrecht bis zur Unverletzlichkeit der Wohnung),
-
die Abschaffung der lebenslangen Freiheitsstrafe und eine Reform der Tötungsdelikte,
-
eine Abschaffung des Sexualstrafrechts als Sonderstrafrecht,
-
eine Reform des Strafrechts, die darauf zielt, KnĂ€ste und staatliches Strafen abzuschaffen und zu zivilen Konfliktlösungen ĂŒberzugehen
Â
Â
Drogenpolitik
Â
Die Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen lĂ€sst sich nicht begrĂŒnden. Es gibt keine Rechtfertigung dafĂŒr, warum Menschen, die Cannabis, Kokain oder Heroin nehmen, bestraft werden sollen, und Alkohol-, Tabak-, Kaffee- und Tablettenkonsumenten straffrei ausgehen.
Die Kriminalisierung eines Teils der Drogenkonsumenten hat fatale soziale Folgen und verhindert einen selbstbestimmten Umgang mit Rauschmitteln. BeschaffungskriminalitĂ€t wird durch die IllegalitĂ€t ĂŒberhaupt erst geschaffen, denn diese bedeutet auch hohe Preise fĂŒr die Rauschmittel, genauso wie mangels staatlicher Aufsicht ĂŒber den Verkauf praktisch jeder Dreck verkauft werden kann, Verbraucherschutz (Produzentenhaftung!) unmöglich gemacht wird.
JungdemokratInnen/Junge Linke postulieren ein Recht auf Rausch und fordern die Legalisierung aller Drogen.
Â
AuslÀnderInnen und Asyl
Â
Seit der De-facto-Abschaffung des Grundrechts auf Asyl im Jahre 1993 stehen diejenigen, die in die Bundesrepublik flĂŒchten, praktisch ohne rechtlichen Schutz da.
Die EinschrĂ€nkung vieler Grundrechte zunĂ€chst fĂŒr AsylbewerberInnen hatte in vielen Bereichen eine Pilotfunktion. So wurde die Sozialhilfe zunĂ€chst nur fĂŒr Asylbewerber gekĂŒrzt, bevor sie fĂŒr alle abgesenkt wurde. Die EinschrĂ€nkung der Rechtswegegarantie wurde fĂŒr Asylbewerber erfunden und wird fĂŒr andere Verwaltungsrechtsstreitfragen bereits diskutiert. Hierin wird eine Strategie des Grundrechtsabbaus deutlich: zunĂ€chst bei den schwĂ€chsten Gruppen der Gesellschaft zu beginnen, und den Abbau von Rechtsgarantien dann sukzessive zu erweitern.
Dieser Prozess muss gestoppt werden! Das Grundrecht auf Asyl muss wiederhergestellt werden.
JungdemokratInnen/Junge Linke setzten sich darĂŒber hinaus fĂŒr die Abschaffung des völkischen StaatsbĂŒrgerschaftsrechts zu Gunsten eines jus soli ein. Die EinbĂŒrgerung muss erleichtert und Rechtsanspruch werden. Alle Diskriminierungen von hier lebenden AuslĂ€ndern sind zu beseitigen, diese mĂŒssen alle BĂŒrgerrechte einschlieĂlich des vollen Wahlrechts erhalten.
Â
Â
Frauen und MĂ€dchen
Â
Frauen und MÀdchen sind, trotz einiger Fortschritte, noch lange nicht gleichberechtigt, sondern werden in vielen Bereichen der Gesellschaft benachteiligt und diskriminiert. JungdemokratInnen/Junge Linke fordern gesetzliche Regelungen, die die Chancengleichheit von MÀdchen und Frauen fördern (Quotierung von ArbeitsplÀtzen, Antidiskriminierungsgesetz). Wir fordern die ersatzlose Streichung des § 218 StGB, weil er die Selbstbestimmung der Frauen einschrÀnkt.
NatĂŒrlich ist auch in den JungdemokratInnen / Junge Linke, als einem Teil der Gesellschaft, Sexismus prĂ€sent. Sexistische Verhaltensweisen können aber in einem Lernprozess, der beide Geschlechter umfasst, partiell ĂŒberwunden werden.
JungdemokratInnen/Junge Linke sehen ihre Arbeit gegen Sexismus eingebettet in ein Konzept gesamtgesellschaftlicher Emanzipation.
Â
Â
Frieden und AbrĂŒstung
Â
Da JungdemokratInnen/Junge Linke in absehbarer Zeit nicht mit einer Demokratisierung der internationalen Institutionen rechnen, stehen wir sog. âfriedenschaffenden" militĂ€rischen Interventionen ablehnend gegenĂŒber. Wir treten fĂŒr eine AuĂenpolitik der SelbstbeschrĂ€nkung und der internationalen Kooperation ein, weil eine solche sowohl unserer Kritik an militĂ€risch akzentuierter Machtpolitik, als auch der Kritik an einer aggressiven, einseitig exportorientierten Wirtschaftspolitik gerecht wird.
Gleichzeitig aber sehen wir uns politisch durch Menschenrechtsverletzungen, Krieg oder BĂŒrgerkrieg gefordert.
Wir befĂŒrworten als Konzept internationaler Friedenspolitik unter den gegenwĂ€rtigen VerhĂ€ltnissen einen âinterventionistischen Pazifismus". Dieses Konzept nennt sich interventionistisch, da es sich nicht scheut, auf politisch-zivile Weise in die militĂ€rischen Auseinandersetzungen einzugreifen und sich insofern deutlich von der alten Nichteinmischungsdoktrin der UNO in innerstaatliche Angelegenheiten unterscheidet (eindrucksvolle Beispiele fĂŒr diese Doktrin bilden die Menschenrechtssituation in der TĂŒrkei und in China). Es ist zugleich eine Form des Pazifismus, weil oberstes Gebot des Konzeptes die strikte Einhaltung friedlicher Mittel ist und auch militĂ€rischer Schutz der zivilen Politiken abgelehnt wird. Neben humanitĂ€rer UnterstĂŒtzung (was den schlichten Versuch bezeichnet, die grausamen Folgen einer kriegerischen Auseinandersetzung fĂŒr die Zivilbevölkerung abzumildern) ist es zentrales politisches Mittel des interventionistischen Pazifismus, die pazifistische Opposition innerhalb der kriegfĂŒhrenden Seiten politisch und u.U. finanziell zu stĂ€rken. Die Hegemonie der Aggressoren kann auf diese Weise national und international zurĂŒckgedrĂ€ngt werden.
Die Wiederherstellung eines nicht-kriegerischen Zustands wird mit einem kollektiven demokratischen Lernprozess verbunden. Akteur dieser Friedenspolitik können - auf Grund herrschender KrÀfteverhÀltnisse - weniger staatliche oder halbstaatliche Institutionen sein, als vielmehr unabhÀngige nationale und internationale Friedens- und Menschenrechtsorganisationen.
Des weiteren treten JD / JL ein:
-
fĂŒr eine allgemeine AbrĂŒstung
-
fĂŒr eine Abschaffung des Wehrdienstes
-
fĂŒr eine Bundesrepublik ohne Armee
-
fĂŒr ein Verbot von RĂŒstungsproduktion und -export
-
fĂŒr ein Verbot von Atomaren, Biologischen und Chemischen Waffen
-
fĂŒr ein Verbot von Landminen
Â
Â
Internationales
Â
Seit vielen Jahren ist es Teil unserer Politik, auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen zu internationalen Partnerorganisationen zu halten. So pflegen wir z.B. Kontakte zur Friedensbewegung in Israel oder tauschen uns mit pazifistischen Oppositionsgruppen in Serbien aus. Unser Ziel ist es, eigene national-beschrĂ€nkte Sichtweisen zu ĂŒberwinden und gemeinsam mit Ă€hnlich gesinnten politischen KrĂ€ften Formen grenzĂŒberschreitender Politik zu entwickeln.
Auf vielen Informations-Reisen und internationalen Seminaren mit unseren Partnerorganisationen bleibt neben einer gemeinsamen Freizeitgestaltung immer genug Raum, um sich ĂŒber die Entwicklungen im jeweiligen Land zu informieren und ĂŒber politische Ziele zu streiten.
JungdemokratInnen/Junge Linke sind Mitglied im Dachverband âEuropean Network of Democratic Young Left (ENDYL)", in dem sich alternative und links-demokratische JugendverbĂ€nde aus verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern organisieren. JungdemokratInnen/Junge Linke verfolgen das Ziel, mit anderen JugendverbĂ€nden in einen Diskussionsprozess zu kommen, um mittelfristig an der Konstitution einer EuropĂ€ischen Ăffentlichkeit mitzuwirken und auf diese einzuwirken.
Â




