Seminare und LMV Herbst/Winter 2014

Hallo,

anbei Informationen über die noch in diesem Jahr anstehenden Veranstaltungen und die Einladung zur unserer Landesmitgliederversammlung am 7. Dezember in Mainz. Neben einem Wochenendseminar zum Verhältnis von Antiziganismus, Rassismus und Antisemitismus sowie zwei Veranstaltungen zur Kritik des New Materialism sind noch zwei Veranstaltungen im Rahmen der Jugoslawien-Reihe geplant.

Mit den besten Grüßen,
Eure JD/JL

1. Terminübersicht

Fr., 17.10., Mainz: Tjark Kunstreich, Ein deutscher Krieg – revis(it)ed. 15 Jahre nach der NATO-Bombardierung Belgrads
Mi., 12.11., Mainz: Volker Weiß, Der Erste Weltkrieg im Spiegel seiner Debatten
Fr., 28. – So., 30.11., Montabaur: Wochenendseminar zu Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus
So., 7.12., Mainz: Landesmitgliederversammlung
Fr., 12.12., Mainz: Daniel Keil, Kritik des New Materialism
Sa., 13.12., Mainz: Tagesseminar zur Kritik des New Materialism

2. Veranstaltungen

## Ein deutscher Krieg – revis(it)ed. 15 Jahre nach der NATO-Bombardierung Belgrads
# Lesung und Diskussion mit Tjark Kunstreich (Wien)
# Freitag, 17.10., 19 Uhr, JD/JL-Geschäftstelle, Walpodenstr. 10, Mainz

„Dass dieser Krieg ein deutscher Krieg war, von seinen Voraussetzungen bis zu seinem Ende, das darf und kann nicht sein“, bilanzierte Tjark Kunstreich die Debatte um den Kosovo-Krieg in seinem im Herbst 1999 erschienen Buch ‚Ein deutscher Krieg. Über die Befreiung der Nation von Auschwitz‘. Deutschland nannte sich damals stolz „Berliner Republik“ und war obsessiv mit der eigenen Vergangenheit befasst: Um international mitmischen zu dürfen, musste der Nazi-Faschismus endgültig aufgearbeitet werden. Dazu waren die Debatten um die Entschädigung der Überlebenden der NS-Zwangsarbeit ebenso notwendig wie die um Martin Walsers Paulskirchenrede oder um das „Holocaust-Mahnmal“ – aber nicht zuletzt eben auch die Bomben auf Belgrad.
15 Jahre später ist die „Berliner Republik“ Geschichte: Die deutsche Vergangenheit ist zur Spielmarke im politischen Geschäft geworden, mit der je nach Interesse zu Zurückhaltung oder Engagement gemahnt wird; deutscher Nationalismus ist allenfalls eine Frage von Weltmeisterschaften. Die Befreiung der Nation von Auschwitz scheint erfolgreich abgeschlossen zu sein, davon sind sowohl die Bundesregierung als auch Linksradikale überzeugt.
Die Kritik am Antinationalismus der Berliner Republik und ihrer Linken ist leider nicht veraltet, wie sowohl die außenpolitische Annäherung an den Iran als auch der innenpolitische Umgang mit den antisemitischen Demonstrationen des Sommers zeigen. Damalige Mutmaßungen, Serbien könne schnell durch Israel ersetzt werden, sehen sich bestätigt: Der Krieg gegen Jugoslawien stand symbolisch für die Abrechnung mit der Nachkriegsordnung, von der gegenwärtig nur noch der jüdische Staat übrig ist.

Link zur Veranstaltung: http://jd-jl-rlp.de/event/ein-deutscher-krieg-revisited-15-jahre-nach-der-nato-bombardierung-belgrads/

## Der erste Weltkrieg im Spiegel seiner Debatten. Kontroversen von Fritz Fischer bis Christopher Clark
# Vortrag und Diskussion mit Volker Weiß (Hamburg)
# Mittwoch, 12.11., 19 Uhr, Uni-Campus Mainz

Im August 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. In diesem Jubiläumsjahr erscheinen – und erschienen bereits – eine unüberschaubare Vielzahl wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Bücher zu dem Thema. Nicht ein großer deutscher Verlag, der nicht mindestens einen 500-seitigen Wälzer im Programm hätte. Sehr viel tatsächlich Neues fördern diese Publikationen nicht zu Tage. Und doch können sie immer wieder Debatten entfachen – durch die Gewichtung der „Fakten“, ihre Neubewertung und Interpretation.
Dr. Volker Weiß, Historiker und Publizist aus Hamburg, meint folgerichtig, dass die Debatten, die die entsprechenden Bücher auslösen, in aller Regel sehr viel interessanter seien als die Bücher selber.
Dies trifft auf Fritz Fischers Buch „Griff nach der Weltmacht“ (ein inzwischen kanonisierter Klassiker zum Thema) aus dem Jahr 1961 in der Tat zu. Langatmige, detaillierte Dokumentenauswertung bestimmen den Löwenanteil seines Buches – die gewissenhafte aber unspektakuläre Methode eines seriösen Historikers. Und trotzdem war es in den 1960er Jahren diese Publikation, die eine spektakuläre, dazu hoch interessante, gleichzeitig hitzig und idiosynkratisch geführte Debatte vor allem unter westdeutschen Historiker_innen und Publizist_innen auslöste. Die Deutschen tragen einen wesentlichen Teil der Kriegsschuld und verfolgten eine dezidierte, mittelfristig entwickelte Kriegszielpolitik, so Fischers These. Sie reichte aus, um vor allem in (konservativen) Historikerkreisen – in der Tat fast ausschließlich männliche Protagonisten – heftigsten Widerspruch hervorzurufen.
Jetzt, zum hunderten Jahrestages des Ausbruchs des ersten Weltkrieges, ist es ein australischer Historiker, der die Deutschen wieder freispricht von dieser Systematik des Krieges: alle Großmächte seien gleichermaßen in die „Urkatastrophe“ hineingeschlittert. Christopher Clarks Thesen widersprechen nur wenige Historiker_innen entschieden. John C.G. Röhls Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 5.3.2014, der Clarks Interpretationen eine deutlich Abfuhr erteilt, ist hier eine der wenigen Ausnahmen. Hinzu kommt – und auch dies ist symptomatisch – dass Clark in der deutschen Rezeption mehr Entlastendes in den Mund gelegt wird, als in seinem Buch tatsächlich zu finden ist.
Natürlich ist Clark nicht der Erste, der Fischer an prominenter Stelle widerspricht und viel dankbares Gehör findet. Schon in der frühen Debatte um sein Buch konnte Fischer nicht als eindeutiger „Sieger“ gelten – für ein Spektrum, das von konservativ-nationalen Kreisen bis in die bürgerlich-liberale Mitte hinein reichte, hatten Fischers Thesen nie den Status historischer Wahrheit. Diese Sichtweise aber, den Ersten Weltkrieg als „(Nat)Urkatastrophe“ zu verstehen, in den alle gleichermaßen hineingeschlittert waren, ihn gleichermaßen als unabwendbares Schicksal akzeptierten, ihn also gar nicht hätten verhindern können, scheint sich gegenwärtig (wieder) als hegemoniale Interpretation der Vorgänge zu etablieren.
Die wesentlichen Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der konkreten Interessenpolitik des Deutschen Reiches zu erkennen, scheint das kollektive Gedächtnis zu sehr an die Verantwortung an millionenfachem Tod, Leid, Elend und Gewalt zu erinnern. Dem nationalen Mythos dient das Bild, man sei ungewollt hinein geraten in die sowieso unvermeidliche, da naturwüchsige, „Urkatastrophe“. Dieses Bild verhindert aber auch die Einsicht in die Verantwortung und die Anerkennung wesentlicher Mitschuld für den Krieg.

Weiß zeigt die Vielschichtigkeit der vermeintlichen historischen Fakten am Beispiel der Debatten um die Ursachen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. Beginnend mit der Debatte um Christopher Clarks Buch „Die Schlafwandler“ verfolgt er die Rezeptionsgeschichte des Ersten Weltkrieges sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse und Interessen, die sie mitbestimmten, bis zu der Debatte um Fritz Fischers Untersuchung zurück.

Link zur Veranstaltung: http://jd-jl-rlp.de/event/der-erste-weltkrieg-im-spiegel-seiner-debatten-kontroversen-von-fritz-fischer-bis-christopher-clark/

## Wochenendseminar zu Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus
# Lektüre und Vortragsseminar mit Nico Bobka und Robert Fechner
# Freitag, 28.11., 18 Uhr bis Sonntag, 30.11. (mittags), Jugendherberge Montagbaur

Obgleich in der Geschichte der antisemitischen, rassistischen und antiziganischen Gewalt zahlreiche Gemeinsamkeiten zu konstatieren sind, die ihren Höhepunkt in der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis gefunden haben, fristet die Kritik des Antiziganismus bis heute bestenfalls ein Schattendasein. Bei dem Wochenendseminar soll es jedoch nicht darum gehen diesem Mangel durch einen äußerlichen Vergleich beizukommen, d.h. Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus als isolierte Phänomene zu betrachten, sondern sie als einander komplementäre Momente repressiver Totalität zu begreifen. Alle drei, so die auszuführende These, sind als Vorurteil ohnehin, aber auch als Ressentiment oder als negative Leitidee nur subjektivistisch, nicht jedoch in ihrer objektiven Bedeutung bestimmt. Derlei Subjektivismus soll aufgehoben werden, indem Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus materiell-praktisch als bestimmte Formen, in denen sich die Individuen unter Bedingungen der Herrschaft vergesellschaften und vergesellschaftet werden, d.h. als bestimmte Formen negativer Vergesellschaftung gefaßt werden. Es ist somit das Ziel, Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus als Prototypen moderner Vergesellschaftung kenntlich zu machen und zumindest fragmentarisch anzudeuten, wie sie als Gegenstände der Kritik sogleich den Schlüssel für eine Kritik der Gesellschaft in ihrem Zerfall, ihrer Irrationalität und ihrem destruktiven Potential darstellen.

# Fahrkosten im Regionalverkehr der 2. Klasse innerhalb von Rheinland_Pfalz werden erstattet. Wer einen weiteren Anfahrtsweg hat, möge uns bitte kontaktieren, dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen.
# Die Teilnahmegebühr beträgt 15 € für Arbeiter und Angestellte, 12.5 € für Studierende und Auszubildende und 10 € für Mitglieder. Im Teilnahmebeitrag sind die Übernachtungen mit Vollpension, sowie Seminarmaterialien enthalten. Anmeldung ist Teilnahmevoraussetzung.

Link zur Veranstaltung: http://jd-jl-rlp.de/event/wochenendseminar-zu-antisemitismus-rassismus-und-antiziganismus/

## Zur Kritik des New Materialism
# Vortrag und Diskussion mit Daniel Keil (Frankfurt), Freitag, 12.12., Mainz
# Tageseminar, Samstag, 13.12., Mainz

Seit den 80er Jahren spielt der Materialismus im akademischen Umfeld eher eine marginale Rolle. In der letzten Zeit erlebt er jedoch ein Comeback. Vor drei Jahren fragte eine Tagung in Mainz unter dem Titel „Materialitäten“ nach dem „material turn“ in den Sozial- und Kulturwissenschaften. International sind mehrere Sammelbände unter dem Label „New Materialism“ erschienen, das im Wesentlichen mit Karen Barad, Rosi Braidotti, Donna Haraway aber auch Bruno Latour verbunden wird. Neu an diesem Materialismus ist vor allem, dass er kaum Bezüge zum vorhergehenden Materialismus, sei es dem aufgeklärten wie dem dialektischen, aufweist. Statt La Mettrie oder Marx sind seine Bezugspunkte hingegen der universitäre Feminismus nach Judith Butler, die Science and Technology Studies und die Philosophie der Naturwissenschaften.
Ebenso wie andere Materialismen wurde er aus der Kritik geboren. Ziel seiner Kritik ist jedoch nicht die Gesellschaft, sondern der sozialwissenschaftliche Fokus auf Sprache und Diskurs und insgesamt die ‚Dingvergessenheit‘ der Kultur- und Sozialwissenschaften. Statt dieser sind nun Menschen und Dinge als materielle Körper, als Natur und Artefakt, Ausgangspunkt.
Wie es mit der Kritik und der Neuheit des New Materialism aussieht, wird uns Daniel Keil, Mitherausgeber des Sammelbands „Critical Matter“, in einem Abendvortrag erläutern.
Am Folgettag findet ein Tagesseminar zur Vertiefung mit Referaten und Textlektüre statt. Um Anmeldung für das Tagesseminar wird gebeten.

# Fahrkosten für das Tagesseminar werden im Regionalverkehr der 2. Klasse innerhalb von Rheinland_Pfalz erstattet. Wer einen weiteren Anfahrtsweg hat, möge uns bitte kontaktieren, dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen.
# Die Teilnahmegebühr für das Tagesseminar beträgt 5 € für Studierende, Auszubildende und Mitglieder, 7,50 € für Arbeiter und Angestellte. In der Teilnahmegebühr sind die Tagungsverpflegung und Seminarmaterialien inbegriffen.

Link zur Veranstaltung: http://jd-jl-rlp.de/event/zur-kritik-des-new-materialism/

3. LMV
Einladung zur Landesmitgliederversammlung der JD/JL RLP
Sonntag, 7.12. 2014, 14 Uhr
Landesgeschäftsstelle, Walpodenstr. 10, Mainz

Bei diesem Treffen werden wir den Landesvorstand für das Jahr 2015 wählen und uns mit der Veranstaltungsplanung für das kommende Jahr beschäftigen. Alle Mitglieder und Interessierten sind herzlich eingeladen. Für Kaffee und Teilchen wird gesorgt. Um Anmeldung wird gebeten. Antragsschluss für die Versammlung ist Samstag, der 22. November.

Vorläufige Tagesordnung
TOP 1: Begrüßung und Formalia
TOP 2: Berichte und Rechenschaftsdebatte
TOP 3: Entlastungen
TOP 4: Finanzen
TOP 5: Anträge
a) Arbeitsprogramm
b) inhaltliche Anträge
c) satzungsändernde Anträge
TOP 6: Wahlen
a) Landesvorstand
b) Kassenprüfung
TOP 7: Sonstiges